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Dienstag, 17. November 2015

SCHWÄRMEREI FÜR DIE VERGANGENHEIT


An vergangene Zeiten erinnere ich mich so, als wäre ich ein anderer Mensch gewesen damals, als hätte ich die auf mich einprasselnden Eindrücke völlig anders wahrgenommen.
Ein kleines nebenbei bemerktes Detail löst eine bestimmte, kleine Erinnerung aus und darauf folgt eine explosivartige Abfolge von lebendigen Bildern, die aber aus anderen Augen gesehen wurden, mit anderem Herzen gefühlt wurden und mit anderem, jüngeren Geist verarbeitet wurden. Und nun reflektiert mein neuer, älterer Geist diese jungen Abschnitte meines Lebens und ich wundere mich, wie ich einmal war, wie jung und anders ich doch war. Ich habe die Fähigkeit verloren diese Erinnerungen durch meine Augen zu sehen, ich verstehe den Menschen nicht mehr, der diese Erinnerungen an Gefühle so konservierte, wie ich sie nun wieder fühle, ohne sie wirklich fühlen zu können, denn viele Gefühle sind mir fremd geworden. Ich überrasche und befremde mich gleichzeitig. Wer war dieses junge Mädchen, die ehrfürchtig zu bestimmten Personen aufschaute, sie verehrte und zu ihren Vorbildern wählte, wer war dieses Mädchen, die verloren und doch so lebendig auf ihre ersten Parties ging und zum ersten Mal erst wenn es hell war nach Hause kam, die manchmal Hüte trug, ihre Mutter nicht verstehen konnte und wollte und so so jung war?
Das war ich.
Manchmal bin ich der festen Überzeugung, dass ich früher viel glücklicher, lebendiger, ehrlicher und reiner war und frage mich wann ich den falschen Abzweig genommen haben soll, wann mein Herz Dinge anders zu fühlen begann, wann mein Verstand sich in andere Richtungen erweiterte und wann meine Seele etwas ernüchterte vom Leben.
Aber dann denke ich daran, wie ich dazu neige Erinnerungen zu romantisieren  und zu idealisieren und an den Fakt, dass der Lebensabschnitt, der mir nun so so anders erscheint als der vorherige, bestimmt in 3 Jahren der Auslöser für einen Ausbruch von Schwärmerei für die Vergangenheit sein wird.

(Ich bei der Bohnenernte in einem wunderbar abgewrackten, verlassenen und gruseligen Gewächshaus, das wir im Sommerurlaub in einem kleinen Dorf entdeckten, verlassene Orte faszinieren mich immer über die Maßen, wobei sie mir auch irgendwie Angst machen)

1 Kommentar:

  1. "Ich tue mittlerweile Dinge, über die ich mich selbst wunder, bei denen ich selbst nicht weiß, wieso ich sie tue." Das habe ich gestern in mein Tagebuch geschrieben. Es scheint, als würdest du schon wieder meine Geanken beschreiben... Ich vermisse mein früheres Ich irgendwie, denn damit konnte ich mich mehr identifizieren.
    Vielleicht geht es ja allen irgendwann mal so, vielleicht ist es nur eine Phase. Wer weiß das schon.

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